Die ehemalige Synagoge in Niederbieber

Synagoge, kleiner Fachwerkbau unterhalb der Kirche
Synagoge: kleiner Fachwerkbau unterhalb der Kirche
Foto: Verein Niederbieberer Bürger; Sammlung Ewald Bachmann

Die Jüdische Gemeinde Niederbieber in Zahlen

Der folgende Text wurde mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: "Synagogen in Rheinland-Pfalz – Saarland, bearbeitet von Stefan Fischbach und Ingrid Westerhoff (Mainz 2005), S. 287 - 289

Exakte Zahlenangaben der jüdischen Einwohner Niederbiebers sind erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt. 1858 wohnten 26, 1895 16 Juden im Ort. Zur 1847 gegründeten „Spezialgemeinde" Niederbieber gehörten Datzeroth und die Juden aus Segendorf, wo 1858 13 und 1895 drei Juden wohnten. 1905 lebten vier Familien mosaischen Glaubens in Niederbieber, und 1925 waren in Niederbieber und Segendorf insgesamt 26 jüdische Einwohner registriert.

[...]Der Haushaltsvoranschlag 1869 verzeichnet das „Kapital der Spezialgemeinde Niederbieber-Segendorf: Synagoge 1000 Taler/Das Bewegliche in der Synagoge 200 Taler“ [533]. Das Bethaus wurde bis zum Novemberpogrom, in dem es zerstört wurde, genutzt. [534]


Anmerkungen
533: zitiert nach Deeters 1983, S. 25.
534: Einzelheiten sind nicht bekannt. Dietz 1996: S. 414 erwähnt die Synagoge in seiner Aufzählung: "....daß sämtliche noch gottesdienstliche Synagogen des Kreises Neuwied, also diejenigen in Neuwied, Niederbieber, Oberbieber, Dierdorf, Urbach, Puderbach, Waldbreitbach, Rheinbrohl, Linz und Unkel - die Anhausener Synagoge war ja bereits zweckentfremdet - in Brand gesteckt bzw. völlig zerstört wurden."

bei Fischbach/Westerhoff angegebene Quellen:
Deeters, Dorothea Elisabeth: Sie lebten mit uns. Zur Geschichte der Wied-Neuwiedischen Landjuden, für die Zeit 1817-1942 dargestellt am Dorf und Synagogenbezirk Oberbieber, Neuwied-Oberbieber, 1983

Dietz, Wolfgang: Der Landkreis Neuwied. Weimarer Republik Nationalsozialismus Nachkriegszeit, Neuwied 2. Aufl. 1996: S.414

 

Die Einweihung 1863

Die Synagoge wurde am oberen Ende der Backhausgasse im Stadtteil Niederbieber als Ersatz für die zu klein gewordene alte Synagoge errichtet. Die feierliche Einweihung im Juli 1863 war ein großes Ereignis im Ort und fand unter breiter Beteiligung der gesamten Dorfgemeinde statt. Die "Neuwieder Zeitung" von 1863 berichtete darüber in einem ausführlichen Artikel.

In der gleichen Ausgabe ließ die jüdische Gemeinde eine Einladung zur Einweihungsfeier veröffentlichen:

Bei dem am Freitag, den 31. Juli und am Samstag, den 1. August Statt findenden

SYNAGOGEN=EINWEIHUNGSFEST
in Niederbieber

wird bei mir Caffee und Kuchen verabreicht und lade ich zu zahlreichem Besuch ergebenst ein.

SELIGMANN MOSES;
wohnhaft neben Gastwirth Müller
in Niederbieber

 

Wegen Einweihung der neuen Synagoge in N i e d e r b i e b e r  ist vom Samstag auf Sonntag
F e s t - B a l l, vom Sonntag auf Montag B a l l, gegen 10 Sgr. Entree, wofür eine gute Flasche Wein verabreicht wird. Bei günstiger Witterung Nachmittags H a r m o n i e  bei
Georg Wilh. Müller in Niederbieber.

 

Die Zerstörung 1938

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge geplündert und zerstört.  Eine Gedenktafel am oberen Ende der Backhausgasse erinnert an das Gotteshaus. Die Inschrift lautet:

Gedenktafel für die zerstörte Synagoge in der Backhausgasse
Gedenktafel in der Backhausgasse (Foto: DIF-Neuwied)

"Zur Erinnerung und Mahnung!
An dieser Stelle stand einst eine kleine jüdische Synagoge im Ausmaß von zirka 4m x 8m. In der Pogromnacht am 09. November 1938 wurde dieses Gotteshaus zerstört, geplündert und später abgerissen.

Mit dieser Gedenktafel soll an das geschehene Unrecht erinnert und ein Mahnzeichen für alle nachfolgenden Generationen gesetzt werden, auf daß nach Gottes Wille alle Menschen an allen Orten ihren Glauben in Frieden leben können."

 

 

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