Die Metzgerei Oskar Meyer in Niederbieber

aus: "Unser Niederbieber einst und jetzt", 9. Jg. 1989:

"Im Haus der Wiedbachstraße 72 wohnte eine Familie Oskar Meyer, eine große Metzgerei, daneben ein Max Salomon, der ein alleinstehender Verwandter war. Oskar Meyer holte im Westerwald aber auch bis in den Rhein-Sieg-Kreis milchgebende Kühe und Vieh zum Schlachten ab. Die Familie Meyer war mit der Familie Mendel aus Engers (siehe dort) verwandt.

Oskar Meyer hatte zwei Kinder, Mali und Max. Beide sollen es im Alter von 16-18 Jahren geschafft haben, sich nach England abzusetzen. Seine Frau starb in der Nazizeit. Nach dem Krieg besuchte Oskar Meyer Niederbieber. Er hatte in die USA entkommen können und inzwischen eine Wiener Jüdin geheiratet. Er zeigte der befreundeten Familie M. die Narben, die er davongetragen hatte, als er in Ketten durch Koblenz geführt wurde.

Im Dorf ging die Angst um, „im Stürmer zu landen“, wenn man noch Kontakt zu Juden hatte. Der Fotograf Ewald Baier fotografierte Einwohner, die die Hand nicht ordnungsgemäß zu Hitlergruß hoben oder mit Juden zu tun hatten. Es wird erzählt, dass die Juden (vor allem Oskar Meyer) großzügiger als andere waren, wenn es darum ging „anschreiben“ zu lassen.

In der Pogromnacht wurden Bilder, Bücher und ein Flügel aus den Fenstern geworfen. Oskar Meyer soll sich schützend vor seinen Hund gestellt haben, konnte aber nicht verhindern, dass er erschossen wurde."

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