Dr. Moses Abraham Wolff (1713-1802)

Arzt, Wohltäter und Mäzen

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Moses Abraham Wolff
Gemälde: Nationalmusum Warschau, Inv. Nr, M. Ob. 1016 MNW.

Dr. Moses Abraham Wolff, auch „Mosche ben Awraham Neuwied“ genannt, lebte von 1713 bis 1802. Er wurde also in die Epoche der jüdischen Emanzipitation und Gleichstellung der Juden in Deutschland hineingeboren. Seine Eltern waren Abraham und Gutrat Halevi, deren Grabsteine zu den frühesten auf dem Jüdischen Friedhof in Niederbieber gehören. Der Vater war Bankier und ab 1748 sogenannter Hofjude bzw. Hoffaktor des Fürsten Friedrich zu Wied. Es war seine Aufgabe, den Fürstenhof zu versorgen und zu finanzieren. Die Familie Wolff siedelte bereits vor 1691 in Neuwied1.

In dieser Zeit der frühaufklärerischen Toleranz wirkte auch der bedeutende Rabbiner Eliezer ben Salomon Zalman Lipschütz in Neuwied. Die Gräber einiger seiner Familienmitglieder gehören zu den frühesten auf dem jüdischen Friedhof in Niederbieber.

Hochgeschätzt am kurfürstlichen und päpstlichen Hof

Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Koblenz und des Gymnasiums in Moers studierte Moses Abraham Wolff Medizin zunächst in Duisburg und danach in Halle2, wo er auch promovierte. Er ließ sich als Arzt in Bonn nieder, der Residenz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August, an dessen Hof er –unterstützt von seiner Familie und ausgestattet mit zahlreichen Privilegien - ebenfalls das Amt des Hofjuden bekleidete. Als Clemens August 1738 ernstlich erkrankte und seine Leibärzte ratlos waren, rief er Moses Abraham Wolff, der ihn erfolgreich behandelte. Daraufhin ernannte Clemens August ihn zu seinem Leibarzt und verlieh ihm den Titel Kurfürstlicher Geheimrat, eine Position, die er auch unter den nachfolgenden Kurfürsten innehatte. In Wolffs Amtszeit wurden mehrere Edikte erlassen, die die gesundheitliche Situation im Kurfürstentum erheblich verbesserten, insbesondere auch auf dem Gebiet der Lebensmittelhygiene. Durch einen Schutzbrief wurde den Juden die Beibehaltung ihrer koscheren Schlachtung erlaubt. Der gute Ruf des Arztes Moses Abraham Wolff drang bis nach Rom. Es ist nämlich belegt, dass Papst Benedikt XIV ihn sehr schätzte. Aus dieser historischen Tatsache leitet sich möglicherweise die nicht eindeutig bewiesene Überlieferung her, er habe 1768 den Papst Clemens XIII, der als Judenhasser bekannt war, von einem Augenleiden geheilt.

Moses Abraham Wolff war Vorsteher der jüdischen Gemeinde Bonn, ein großzügiger Wohltäter und Mäzen. Während des Hochwassers von 1784, als die Judengasse unter Wasser stand, brachte er zahlreiche Familien in seinem Haus unter; Arme behandelte er kostenlos.

Zeit der toleranten Frühaufklärung

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Neuwied schon bald nach seiner Gründung auf Grund der mehrfach erweiterten Freiheitsrechte eine hohe Bedeutung erlangte. Es gehörte zu den sogenannten Exilantenstädten, die zahlreiche Außenseitergruppierungen anzogen, die in Städten mit dem altmodischen Gildesystem nicht gerne gesehen waren. Diese Gruppierungen stellten sich den zentralistischen Bestrebungen absolutistischer Herrscher entgegen und wurden dabei zunehmend vom gehobenen Bürgertum unterstützt.

Mit dem Begriff „Emanzipation“ ist die Stellung des Judentums in dieser Zeit nur unzulänglich beschrieben. Präziser ausgedrückt, war dieses Jahrhundert durch eine große Hochachtung für herausstehende Größen und sozial engagierte Persönlichkeiten wie Moses Abraham Wolff geprägt, die ihrerseits wieder integrativ in die Gesellschaft hineinwirkten – und zwar unabhängig von Ihrer Herkunft und ihrer Religionszugehörigkeit.

Ein besonders überzeugender Beleg für diese Hochachtung vor der Integrität und Weisheit des Einzelnen in der Zeit der toleranten Frühaufklärung ist die gegenseitige Wertschätzung zwischen Moses Abraham Wolff und Anton Wilhelm Amo3 hervorzuheben. Um 1703 im damaligen Guinea, dem heutigen Ghana, geboren, wurde Amo als Kind versklavt und in die Niederlande verschleppt. Er wurde als „Kammermohr“ an das Haus Braunschweig-Wolfenbüttel „verschenkt“ und dort 1708 auf den Namen Anton Wilhelm evangelisch getauft. Am Hof Braunschweig-Wolfenbüttel erhielt er jedenfalls eine hervorragende, auch universitäre Ausbildung und erlernte Französisch, Griechisch, Hebräisch, Niederländisch und Latein. In Halle studierte er Philosophie und Jura. Er wirkte an den Universitäten Halle, Wittenberg und Jena..

 

Quellen:


Gemälde: Nationalmusum Warschau, Inv. Nr, M. Ob. 1016 MNW.

Monika Firla: Drei Texte aus A.W. Amos Feder in deutscher Sprache 1729-37; Stuttgart 2020 (A.M. Wolff, S. 37ff.)

Steven and Henry Schwarzschild: Two Lives in the Jewish Frühaufklärung - Raphael Levi Hannover and Moses Abraham Wolff; in: Yearbook of the Leo Baeck Institute 29 (1984), pp. 229-276 (A.M. Wolff, S. 259 ff.)

 


1 In dieser Zeit der frühaufklärerischen Toleranz wirkte auch der bedeutende Rabbiner Eliezer ben Salomon Zalman Lipschütz in Neuwied. Die Gräber einiger seiner Familienmitglieder gehören zu den frühesten auf dem jüdischen Friedhof in Niederbieber.

2 In Halle studierte Wolff u.a. bei dem Philosophen A.M. Amo, der ihm ein Gratulationsgedicht zu seiner Promotion widmete. 

3 Durch Erlasse von 1726 und 1784 wurden in Halle jüdische medizinische Studenten ausdrücklich den anderen gleichgestellt, so auch der Neuwieder jüdische Student Emanuel Israel.

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